DSCP (Differentiated Services Code Point) ist ein 6 Bit langes Feld im IP-Header, das die Dienstklasse eines Pakets kennzeichnet. Mit 6 Bit sind 64 verschiedene Werte (0–63) möglich. DSCP ist der Kern der Differentiated Services-Architektur (DiffServ, RFC 2474) und löste das ältere ToS-Precedence-Feld ab.
Aufbau des DS-Felds
Im IPv4- und IPv6-Header belegt das DS-Feld (Differentiated Services) das frühere ToS-Byte: die oberen 6 Bit bilden den DSCP-Wert, die unteren 2 Bit (ECN, Explicit Congestion Notification) werden separat für Überlast-Anzeigen genutzt. Router bewerten ausschließlich den DSCP-Wert und wenden darauf ein sogenanntes Per-Hop Behavior (PHB) an – jede Station entscheidet einzeln, wie sie das Paket behandelt (hop-by-hop statt Ende-zu-Ende).
Wichtige DSCP-Klassen
- Best Effort (CS0, DSCP 0): Standardklasse ohne besondere Behandlung.
- Class Selector CS1–CS7: abwärtskompatible Klasse, entspricht dem alten IP-Precedence-Wert (DSCP = 8 × Precedence).
- Expedited Forwarding (EF, DSCP 46): niedrige Latenz und Jitter für Sprache (VoIP) – RFC 3246.
- Assured Forwarding (AF): 4 Klassen mit je 3 Drop-Precedences (AF11–AF43), RFC 2597 – bei Überlast werden Pakete mit höherer Drop-Precedence zuerst verworfen.
RFC 4594 empfiehlt konkrete DSCP-Werte für Anwendungsklassen wie VoIP, Signalisierung, Streaming oder Best Effort.
DSCP im Zusammenspiel mit QoS
Pakete werden am Netzwerkrand markiert (Classification und Marking) und im Kern nur noch nach DSCP behandelt. Traffic-Policing-Regeln können überschüssigen Verkehr durch Neusetzen des DSCP-Werts herabstufen. In Warteschlangen steuert der DSCP-Wert, welche Pakete bei Überlast zuerst verworfen werden – etwa per WRED als Alternative zu Tail Drop.
Verwandte Grundlagen: Quality of Service, Priority Queuing.