Die Manchester-Codierung ist eine Leitungscodierung, die jedes Bit durch einen garantierten Pegelwechsel in der Bitmitte darstellt. Dadurch ist das Signal selbsttaktend: Der Empfänger kann den Takt direkt aus den Datenflanken zurückgewinnen, ganz gleich ob viele gleiche Bits hintereinander gesendet werden. Genau diese Eigenschaft unterscheidet Manchester von der einfachen NRZ-Codierung, deren lange 0- oder 1-Folgen keinen Wechsel liefern und den Empfängertakt driften lassen.
Zwei Konventionen: IEEE 802.3 und G. E. Thomas
Der Wechsel in der Bitmitte ist die eigentliche Information, die Zuordnung der Flankenrichtung ist jedoch nicht genormt. In der IEEE-802.3-Konvention (klassisches Ethernet) codiert ein Anstieg in der Bitmitte (0 → 1) eine logische 1, ein Abfall (1 → 0) eine logische 0. Die ältere G.-E.-Thomas-Konvention legt es genau umgekehrt fest. Beim Dekodieren muss daher immer bekannt sein, welche Konvention der Sender verwendet. Zusätzlich können an Bitgrenzen weitere Pegelwechsel auftreten, die keine Information tragen.
Einsatzgebiete
Die Manchester-Codierung steckte im klassischen 10BASE-T-Ethernet (10 Mbit/s) und im Token Ring. Auch die Datenübertragung von RFID-Transpondern nach ISO/IEC 14443 bei 13,56 MHz nutzt Manchester-artige Codierung. Der Preis der Selbsttaktung ist der doppelte Bandbreitenbedarf gegenüber NRZ: Auf jedes Bit kommen bis zu zwei Signalwechsel, die Symbolrate liegt doppelt so hoch wie die Bitrate. Für schnelle Strecken weichen moderne Systeme daher auf Blockcodes wie 8B10B oder Mehrpegel-Verfahren wie die PAM-Codierung aus.
Verwandte Grundlagen: Leitungscodierung, NRZ-Codierung, PAM-Codierung, Taktung, Ethernet.