VRF (Virtual Routing and Forwarding) ist ein Verfahren, mit dem ein einzelner Router mehrere voneinander unabhängige Routing- und Weiterleitungstabellen führt. Jede VRF-Instanz verhält sich wie ein eigener Router mit eigener Routing-Information-Base (RIB) und eigener Forwarding-Information-Base (FIB) — Kundennetze, Abteilungen oder Dienste bleiben so strikt getrennt, auch wenn sie dieselbe Hardware und dieselben (überlappenden) IP-Adressen nutzen.

VRF-Lite und MPLS-L3VPN

Ohne MPLS spricht man von VRF-Lite: Die Trennung gilt dann nur lokal auf einem Gerät oder zwischen direkt verbundenen Routern. In einem L3VPN nach RFC 4364 wird jede VRF mit einem Route Distinguisher (RD) und Route Targets (RT) versehen — der RD macht gleichnamige Kundennetze im Provider eindeutig, die RTs steuern per Import und Export, welche Routen in welche VRF gelangen.

Typische Einsätze

Dienstanbieter trennen mit VRFs die Netze ihrer Kunden auf derselben Infrastruktur. Unternehmen segmentieren damit Abteilungen, Gast-WLAN oder Management-Zugriffe, ohne zusätzliche Router zu kaufen. Auch im SD-WAN dienen VRFs der logischen Trennung von Verkehrsströmen; im Linux-Kernel bilden VRF-Devices und Network Namespaces ein ähnliches Konzept ab.

Abgrenzung

VRF trennt auf Schicht 3 (Routing), während VLAN-Konzepte auf Schicht 2 arbeiten. Der Router selbst bleibt eine physische Instanz — die Isolation entsteht allein durch getrennte Tabellen.

Verwandte Grundlagen: VRF-Befehle, L3VPN, SD-WAN, MPLS.