Distance-Vector-Routing (auch Distanzvektor-Routing) ist eine Klasse von Routing-Algorithmen, bei der jeder Router seinen Nachbarn mitteilt, wie er die Welt sieht: Er sendet regelmässig seine komplette Routing-Tabelle (Distanzen + nächster Hop) zu den direkt verbundenen Nachbarn. Aus den Meldungen aller Nachbarn wählt er für jedes Ziel die günstigste Route. Der Name kommt daher, dass nur der Distanz-Vektor (Ziel, Metrik, nächster Hop) ausgetauscht wird – nicht die gesamte Netzwerktopologie.

Bellman-Ford als Grundlage

Intern arbeitet der Algorithmus nach dem Bellman-Ford-Verfahren: Die Distanz zu einem Ziel ergibt sich aus der eigenen Verbindung zum Nachbarn plus dessen gemeldeter Distanz zum Ziel. Diese Relaxation wird iterativ wiederholt, bis sich die Werte stabilisieren. Bekannte Vertreter sind RIP (hop-count-Metrik, Maximum 15 Hops) und IGRP.

Routing-Schleifen und Count-to-Infinity

Weil jeder Router nur die Sicht seiner Nachbarn kennt, kann es zu Routing-Schleifen kommen: Zwei Router spiegeln sich gegenseitig einen inzwischen unerreichbaren Pfad vor. Das Count-to-Infinity-Problem lässt die Metrik dabei langsam bis zum Maximalwert anwachsen. Gegenmittel sind Split Horizon, Poison Reverse und ein definierter Unendlichkeits-Wert (bei RIP 16 Hops).

Eigenschaften

  • Einfach zu implementieren, geringer Rechenaufwand, wenig Speicher.
  • Nur periodische Updates an Nachbarn – keine vollständige Topologie.
  • Langsame Konvergenz bei Topologieänderungen.
  • Für kleine bis mittlere Netze geeignet.

Verwandte Grundlagen: OSPF, Link-State-Routing, Pfad-Vektor-Routing, Router.