Pfad-Vektor-Routing (engl. Path-Vector-Routing) ist eine Routing-Klasse, die Distance-Vector-Prinzipien mit der vollständigen Pfadinformation kombiniert: Eine Route wird nicht nur über Ziel und Metrik beschrieben, sondern über die gesamte Sequenz der durchlaufenen Autonomen Systeme (AS) – den AS-Pfad. Das ermöglicht Schleifenvermeidung und richtlinienbasiertes Routing in sehr grossen Netzen wie dem Internet.
Schleifenvermeidung über den AS-Pfad
Jede Ankündigung enthält die Liste der AS-Nummern, die der Pfad bereits durchlaufen hat. Empfängt ein Router eine Ankündigung, in der sein eigenes AS bereits vorkommt, verwirft er sie – so werden Routing-Schleifen direkt erkannt, ohne Count-to-Infinity. Dieses Verfahren ist der Kern von BGP (RFC 4271), dem Exterior-Gateway-Protokoll des Internets.
Policy-basiertes Routing
Anders als reine Kosten-Minimierung erlaubt Pfad-Vektor-Routing die Auswahl von Routen nach Policies: Welche AS ein Pfad durchläuft, kann für die Entscheidung wichtiger sein als die technische Distanz. Betreiber steuern damit, über welche Nachbarn sie Verkehr annehmen oder abgeben (Peering-Verträge, Transit). BGP-Ankündigungen tragen dafür Path Attributes wie AS_PATH, LOCAL_PREF und MED.
Eigenschaften
- Skaliert auf Internet-Ebene (über 100.000 Routen, viele tausend AS).
- Schleifenfrei durch AS-Pfad-Prüfung.
- Richtlinienbasiert statt rein metrikbasiert.
- Langsame Konvergenz und hoher Verwaltungsaufwand im Vergleich zu Interior-Protokollen.
Verwandte Grundlagen: Distance-Vector-Routing, Link-State-Routing, OSPF, Router.