Syncthing ist ein freies Programm, das Verzeichnisse zwischen mehreren Geräten synchron hält – ohne zentralen Server und ohne Cloud-Konto. Die Daten wandern direkt von Gerät zu Gerät, verschlüsselt über TLS, und jedes Gerät kennt nur die Rechner, mit denen es ausdrücklich gekoppelt wurde.
\nDezentrales Modell
\nStatt eines Masters existiert ein Netz gleichberechtigter Knoten. Jedes Gerät hat eine Geräte-ID – ein Fingerabdruck des öffentlichen Schlüssels. Wird ein Gerät als Partner hinzugefügt, muss die ID auf beiden Seiten bestätigt werden; ohne diese gegenseitige Zustimmung gibt es keine Verbindung. Das ist eine sehr wirksame Absicherung gegen unbemerkte Mitschreiber, bedeutet aber auch, dass ein Gerät, das man verloren hat, nicht einfach „freigegeben“ werden kann, wenn die ID unbekannt ist.
\nOrdner, Versionierung und Konflikte
\nEin synchronisierter Ordner hat eine Ordner-ID und einen Satz beteiligter Geräte. Zwei Mechanismen sind im Alltag wichtig:
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- Dateiversionierung: Überschriebene Dateien können in einem Versionierungsordner gesammelt werden, wahlweise über die einfache Dateikopie, einen Papierkorb-Mechanismus oder eine zeitlich gestaffelte Sicherung. Ohne Versionierung ist ein versehentliches Überschreiben endgültig. \n
- Konflikte: Ändern zwei Geräte dieselbe Datei, während sie sich nicht sehen, entstehen Konfliktdateien mit angehängtem Gerätenamen und Zeitstempel. Beide Fassungen bleiben erhalten; entschieden wird nicht automatisch. Das ist ein bewusster Entwurf – Automatik würde Daten stillschweigend verwerfen. \n
Netz und Sicherheit
\nSyncthing verbindet sich über LAN-Broadcast, globale Discovery-Server oder feste Adressen. Wer keine fremden Discovery-Dienste nutzen will, kann sie abschalten und nur feste Adressen verwenden. Der Verkehr ist verschlüsselt (TLS mit den Gerätezertifikaten), die Weboberfläche läuft standardmäßig auf 127.0.0.1:8384 und sollte abgesichert oder per SSH-Tunnel erreicht werden. Ein optionaler Relay hilft, wenn keine direkte Verbindung möglich ist – dann laufen die Daten über einen Vermittler, der sie aber nicht entschlüsseln kann.
Wo Syncthing passt – und wo nicht
\nSyncthing ist das richtige Werkzeug für Arbeitsdateien über mehrere Rechner, für die Verteilung von Medien auf Standorte oder als schneller Weg, Dateien zwischen Server und Arbeitsplatz zu halten. Es ist kein Backup: Es spiegelt Zustände, es bewahrt keine Historie über längere Zeiträume, und ein gelöschter Ordner kann sich über alle Geräte hinweg löschen. Wer Historie und Wiederherstellung braucht, kombiniert es mit Restic, Borg oder Proxmox Backup Server.
\nVerwandte Grundlagen: Backup, rclone, Nextcloud, Versionierung.