VRRP (Virtual Router Redundancy Protocol) ist ein offener Standard der IETF für die Ausfallsicherung des Standard-Gateways in einem LAN. Mehrere Router fassen sich zu einer Gruppe zusammen und teilen eine virtuelle IP-Adresse (VIP) — fällt der aktive Router aus, übernimmt ein Backup-Router seine Aufgabe, ohne dass Endgeräte ihre Gateway-Konfiguration ändern müssen. VRRP ist als RFC 3768 (Version 2, IPv4) und RFC 5798 (Version 3, IPv4 und IPv6) standardisiert und wurde als herstellerunabhängige Alternative zu Ciscos HSRP entwickelt.
So funktioniert VRRP
Alle Router einer Gruppe verwenden eine gemeinsame VRID (Virtual Router Identifier, 1-255). Der Router mit der höchsten Priorität (1-254; 255 ist dem Inhaber der echten IP-Adresse vorbehalten) wird Master und beantwortet die ARP-Anfragen der Endgeräte mit der virtuellen MAC-Adresse 00-00-5E-00-01-XX (XX = VRID). Der Master sendet periodisch Advertisement-Nachrichten an die Multicast-Adresse 224.0.0.18 (IPv6: ff02::12). Verpassen die Backup-Router mehrere Advertisements (Master-Down-Intervall), übernimmt der Router mit der nächsthöheren Priorität.
Priorität und Preempt
Die Priorität bestimmt, wer Master wird; über Interface- oder Objekt-Tracking kann sie dynamisch gesenkt werden, etwa wenn der Uplink des Masters ausfällt. Anders als bei HSRP ist der Preempt-Modus bei VRRP standardmäßig aktiviert: Ein Router mit höherer Priorität übernimmt die Master-Rolle sofort wieder, sobald er verfügbar ist.
Einsatz und Abgrenzung
VRRP ist der Standard-Mechanismus für Gateway-Redundanz außerhalb der Cisco-Welt — Linux-Systeme nutzen es über keepalived, auch OpenBSD, Juniper und Huawei setzen es ein. Cisco verwendet dagegen das eigene HSRP; beide arbeiten nach dem Aktiv/Standby-Prinzip. GLBP geht einen Schritt weiter und verteilt die Last aktiv auf mehrere Router. Die praktische Einrichtung mit keepalived, Cisco IOS und RouterOS zeigt die Referenz VRRP-Befehle.
Verwandte Grundlagen: Failover, Gateway, Router, HSRP, GLBP.