Ethernet VPN (EVPN) ist ein mehrpunktfähiger Schicht-2-VPN-Dienst der nächsten Generation. Anders als VPLS lernt EVPN MAC-Adressen nicht durch Fluten in der Datenebene, sondern verteilt sie als Routen über eine BGP-Steuerungsebene — das macht große Standortnetze deutlich effizienter.

Funktionsweise

EVPN (RFC 7432, 2015) führt eine eigene BGP-Address-Family ein (L2VPN EVPN). Jeder PE-Router meldet über MP-BGP die MAC-Adressen und IP-Adressen, die an seinen Kundenports gelernt wurden. Alle anderen PEs erfahren so, über welchen Nachbarn ein Ziel erreichbar ist, ohne dass ein einziger Datenrahmen geflutet werden muss. Unbekannte Ziele, Broadcasts und Multicast (BUM-Verkehr) werden weiterhin über spezielle Wege verteilt, aber gezielt und kontrolliert.

Vorteile gegenüber VPLS

  • MAC-Learning in der Steuerungsebene: weniger Fluten, bessere Skalierung bei vielen Standorten und Endgeräten
  • Schnelle Konvergenz, da MAC-/IP-Routen sofort über BGP verteilt werden
  • Multi-Homing mit aktiven parallelen Verbindungen (All-Active) statt nur Standby
  • Integration von Schicht 2 und Schicht 3: Neben MAC-Adressen werden auch IP-Präfixe als Routen transportiert

Transport: MPLS oder VXLAN

EVPN ist unabhängig vom Transport. Ursprünglich über MPLS definiert (RFC 7432), läuft es in Rechenzentren heute meist über VXLAN-Tunnel (RFC 8365) — etwa in Overlay-Netzen, die mit SDN-Controllern gesteuert werden. Die Datenebene bleibt dabei klassisches Ethernet; die Steuerungsebene spricht BGP-EVPN.

Praxis

Für Carrier ersetzt EVPN zunehmend VPLS und ältere L2VPN-Verfahren. Wer heute ein standortübergreifendes Layer-2-Netz mit vielen Teilnehmern aufbaut, bekommt mit EVPN Flut-Reduktion, schnelles Failover und sauberes Multi-Homing. Wie die Konfiguration auf Nexus- und Arista-Switches aussieht, zeigt die Referenz EVPN-Befehle. Verwandte Grundlagen: Pseudowire, VLAN-Trunking, Netzwerkprotokoll.