Pseudowire (PW) bedeutet wörtlich „Draht-Attrappe": Eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, die über einem Paketnetz (meist MPLS) eine native Leitung oder einen nativen Schicht-2-Dienst nachbildet. Für den Kunden sieht die Verbindung aus wie ein eigener Draht, obwohl die Daten durch ein gemeinsam genutztes Netz transportiert werden.
Wie funktioniert ein Pseudowire?
Ein Pseudowire kapselt die Nutzdaten eines Dienstes in Pakete und schickt sie über einen vorab aufgebauten Label-Pfad durch das MPLS-Netz. Am anderen Ende werden die Pakete wieder entkapselt und als ursprünglicher Datenstrom ausgegeben. Die beiden Richtungen bestehen aus je einem unidirektionalen Pfad; zusammen ergeben sie die scheinbar durchgängige Leitung. Der Aufbau und die Pflege der Verbindung laufen über das Label Distribution Protocol (LDP), das dafür eigene Label-Bindings vergibt (RFC 4447). Die Übertragung von Ethernet-Rahmen über einen Pseudowire beschreibt RFC 4448.
Welche Dienste lassen sich emulieren?
- Ethernet (Punkt-zu-Punkt-Ethernet, auch als Ethernet-Private-Line vermarktet)
- Zeitmultiplex-Leitungen (TDM) und SONET/SDH-Verbindungen
- Klassische Dienste wie ATM oder Frame Relay
Einen einzelnen Punkt-zu-Punkt-Pseudowire nennt der Markt oft Virtual Private Wire Service (VPWS). Verbindet man mehrere Standorte zu einem gemeinsamen LAN, entsteht daraus ein VPLS-Netz; die moderne Weiterentwicklung dafür ist EVPN.
Praxis
Pseudowires transportieren den Datenverkehr transparent — der Switch oder Router des Kunden merkt nicht, dass zwischen zwei Standorten ein Paketnetz liegt. MAC-Adressen lernt der Pseudowire selbst nicht; er ist eine reine Leitung zwischen zwei Endpunkten. Verwandte Grundlagen: MPLS, Segment Routing.