Virtual Private LAN Service (VPLS) ist ein mehrpunktfähiger Schicht-2-VPN-Dienst: Er verbindet mehrere geografisch getrennte Standorte so, dass sie sich wie ein einziges Ethernet-LAN verhalten. Kundenstandorte erscheinen als Ports desselben Switches — inklusive Broadcast- und MAC-Learning-Verhalten.
Wie funktioniert VPLS?
Im Kern arbeitet VPLS mit dem Modell eines virtuellen Switches: Jeder Provider-Edge-Router (PE) unterhält für die VPLS-Instanz eine eigene MAC-Tabelle. Zwischen den PEs liegen Pseudowires, die in einer Full-Mesh-Topologie alle Standorte paarweise verbinden. Kommt ein Ethernet-Rahmen an einem PE an, lernt dieser die Absender-MAC-Adresse und leitet den Rahmen über den passenden Pseudowire zum Ziel-PE weiter. Die Signalierung übernehmen zwei Standards: RFC 4761 nutzt BGP für Auto-Discovery und Pseudowire-Aufbau, RFC 4762 setzt auf das Label Distribution Protocol (LDP).
Warum keine Schleifen entstehen
Ein Ethernet-LAN braucht Schutz vor Schleifen. VPLS löst das mit dem Split-Horizon-Prinzip: Ein PE leitet Rahmen, die über einen Pseudowire ankommen, nicht an andere Pseudowires derselben VPLS-Instanz weiter, sondern nur an Kundenports. Dadurch entsteht zwischen den PEs keine Schleife — Spanning Tree ist innerhalb des VPLS-Kerns nicht nötig. Sehr große Netze baut man hierarchisch auf (H-VPLS) mit einem zentralen Kern und sternförmigen Zubringer-Pseudowires.
Grenzen und Nachfolger
VPLS lernt MAC-Adressen ausschließlich in der Datenebene über geflutete Rahmen; unbekannte Ziele und Broadcasts werden an alle PEs verteilt (Broadcast-Domain). Bei vielen Standorten skaliert das nur begrenzt. Die moderne Weiterentwicklung EVPN verlagert das MAC-Learning in die Steuerungsebene und kann zusätzlich auf VXLAN als Transport aufsetzen. Die konkrete Einrichtung mit Cisco IOS und Junos zeigt die Referenz VPLS-Befehle. Verwandte Grundlagen: Ethernet-Frame, MAC-Learning, MPLS.