IS-IS (Intermediate System to Intermediate System) ist ein OSPF-verwandtes Link-State-Routing-Protokoll, das ursprünglich aus der OSI-Welt stammt und heute vor allem in Provider- und Carrier-Netzen sowie als Verteilbasis für Segment Routing dient. Standardisiert ist es in ISO 10589 (erste Fassung 1992, zweite Auflage 2002); RFC 1195 (1990) ergänzte die IP-Unterstützung (Integrated IS-IS).

Wie IS-IS arbeitet

Jeder Router (im OSI-Jargon ein Intermediate System) verbreitet Link-State-PDUs (LSPs) an alle anderen — auf Broadcast-Links koordiniert ein gewählter DIS (Designated Intermediate System) die Synchronisation über CSNPs und PSNPs. Aus den LSPs berechnet jeder Router mit dem Dijkstra-Algorithmus die kürzesten Wege. Die Informationen stecken in typisierten TLVs (Type-Length-Value), was das Protokoll sehr erweiterbar macht: Neue Fähigkeiten wie Wide Metrics (32-Bit, RFC 5305), IPv6-Routen (RFC 5308) oder SR-SIDs sind reine TLV-Erweiterungen, ohne dass sich der Kern ändert.

Level 1 und Level 2

IS-IS kennt zwei Hierarchie-Ebenen: Level-1-Router tauschen Details nur innerhalb ihrer Area, Level-2-Router bilden das verbindende Backbone zwischen Areas. Router, die beide Ebenen bedienen (Level-1-2), leiten summarische Informationen zwischen den Ebenen weiter. Anders als bei OSPF verlaufen die Area-Grenzen auf Verbindungen statt auf Routern; ein strikt getrenntes Backbone-Gebiet wie die OSPF-Area 0 gibt es nicht. Dadurch eignet sich IS-IS besonders für sehr große, flache Netze mit hunderten Routern.

Abgrenzung zu OSPF und Rolle bei Segment Routing

OSPF läuft über IP, IS-IS direkt auf Sicherungsschicht (Layer 2) und benötigt anfangs keine IP-Adressen — die Router heißen über NETs (Network Entity Titles) mit einer System-ID. In der Praxis sind beide Protokolle funktional ähnlich; IS-IS gilt bei Providern wegen seiner Robustheit und Erweiterbarkeit als Klassiker. Beim Segment Routing verteilt IS-IS die SIDs direkt in seinen TLVs mit — für SR-MPLS über RFC 8667 und für SRv6 über RFC 9352. Außerdem liefert IS-IS die Topologie-Informationen, die TI-LFA für seine vorab berechneten Ersatzpfade benötigt. Die konkreten Kommandos für Cisco IOS, Junos und RouterOS zeigt die Referenz IS-IS-Befehle.

Verwandte Grundlagen: OSPF, BGP, Segment Routing, Router.