TI-LFA (Topology-Independent Loop-Free Alternate) ist ein Fast-Reroute-Verfahren für Segment Routing-Netze, das Ersatzpfade im Fehlerfall in unter 50 Millisekunden aktiviert — unabhängig von der Netztopologie. Es ist in RFC 9855 (2024) standardisiert und baut auf den älteren Verfahren LFA (RFC 5286) und Remote LFA (RFC 7490) auf.

Warum TI-LFA nötig ist

Klassisches LFA versagt in Ring- oder partiell vermaschten Topologien: Dort existiert oft kein Nachbar, dessen Weg zum Ziel garantiert schleifenfrei ist. Remote LFA umgeht das mit Tunnel-Zielen, findet aber nicht immer einen Schutzpfad. TI-LFA berechnet stattdessen den Post-Convergence-Pfad — also den Weg, den das Netz nach dem Konvergenz des Routing-Protokolls ohnehin nehmen würde — und kodiert diesen Ersatzpfad vorab als Segment-Liste. Damit funktioniert der Schutz in jeder Topologie, daher der Name.

Wie TI-LFA arbeitet

Der schützende Router (Point of Local Repair) bestimmt über erweiterte P/Q-Raum-Berechnungen die Kandidaten des Post-Convergence-Pfads und setzt die daraus resultierende Segment-Liste (SID-Stack) in die Datenebene. Tritt der Ausfall ein, lenkt er das Paket ohne weitere Berechnung über diese vorinstallierte Liste um. Das Verfahren schützt sowohl Node- als auch Adjacency-Segmente und kommt ohne separates Signalisierungsprotokoll und ohne Tunnelzustand aus — anders als das klassische Fast Reroute auf Basis von RSVP-TE.

Einsatz in SR-MPLS- und SRv6-Netzen

TI-LFA ist eng mit der SR-Welt verbunden: Das zugrunde liegende IGP — IS-IS oder OSPF — liefert die Topologie, die SR-Erweiterungen liefern die SIDs. Es schützt SR-MPLS-Pfade ebenso wie LDP- und reine IP-Weiterleitung, wenn die Router SR beherrschen. Auch in SRv6-Netzen wird TI-LFA als Schutzmechanismus eingesetzt — die Ersatzpfad-Segment-Liste besteht dann aus SRv6-SIDs statt MPLS-Labels.

Verwandte Grundlagen: Segment Routing, IS-IS, SRv6, Fast Reroute.