Segment Routing (SR) ist eine 2018 in RFC 8402 standardisierte Architektur, die das Quell-Routing-Paradigma auf moderne Netze überträgt. Statt dass jeder Router den Weg selbst bestimmt, legt der Einstiegsknoten (Headend) dem Paket eine geordnete Liste von Segmenten bei — die übrigen Router führen nur noch die Anweisung im obersten Segment aus. Auf MPLS-Datenebene (SR-MPLS, RFC 8660) werden die Segmente als Label-Stack abgebildet.

Wie Segment Routing arbeitet

Jedes Segment entspricht einer SID (Segment Identifier): Eine Prefix-SID steht für ein Zielnetz, eine Adjacency-SID für eine einzelne Verbindung. Verteilt werden diese SIDs nicht von einem separaten Protokoll wie LDP, sondern direkt vom Interior-Gateway-Protokoll — OSPF und IS-IS tragen die SIDs in ihren Link-State-Informationen mit. Der Headend-Router stapelt die SIDs zum Label-Stack; jeder Transitknoten poppt das oberste Label und leitet anhand des nächsten weiter. So lassen sich Pfade exakt vorgeben, ohne dass RSVP-TE oder LDP nötig wäre.

Die SIDs stammen aus dem Segment Routing Global Block (SRGB), einem reservierten Label-Bereich. Weil die Labels global eindeutig sind, genügt die Kenntnis der Netz-Topologie — das macht Segment Routing sehr skalierbar.

Vorteile

Segment Routing ermöglicht schnelles Umleiten im Fehlerfall über TI-LFA (Topology-Independent Loop-Free Alternate), ohne aufwendige Vorab-Berechnung von Ersatzpfaden. Im klassischen MPLS übernimmt diese Schutzaufgabe Fast Reroute (RFC 4090) auf Basis von RSVP-TE. Traffic Engineering (SR-TE) arbeitet ohne RSVP. Für IPv6 existiert mit SRv6 (RFC 8986) eine Variante, die Segmente direkt im IPv6-Header transportiert. In vielen modernen Netzen löst Segment Routing das klassische MPLS mit LDP ab. Wie die Umstellung in der Praxis aussieht, zeigen die Segment-Routing-Befehle.

Verwandte Grundlagen: MPLS, BGP, SDN, VXLAN, Telemetrie.