Der MOS-Wert (englisch Mean Opinion Score, deutsch mittlere Meinungsnote) ist eine Kennzahl für die Qualität von Sprach- und Videoübertragungen. Er liegt auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) und fasst zusammen, wie gut ein Gespräch in der Praxis klingt.
Subjektive Messung nach ITU-T P.800
Klassisch wird der MOS-Wert in Hörtests ermittelt: Eine Gruppe von Testpersonen bewertet kurze Sprachproben, und aus den Einzelnoten wird das arithmetische Mittel gebildet. Die Durchführung solcher subjektiven Tests ist in der Empfehlung ITU-T P.800 festgelegt. Je nach Fragestellung unterscheidet man Varianten wie die Hörqualität (MOS-LQS) oder die Gesprächsqualität in beide Richtungen (MOS-CQS).
Objektive Schätzung ohne Hörer
Für den laufenden Betrieb sind Hörtests unpraktikabel. Deshalb schätzen VoIP-Systeme den MOS-Wert objektiv aus Netzwerk- und Codec-Daten — meist über das E-Model mit dem R-Factor nach ITU-T G.107. Aus Größen wie Codec, One-Way-Delay, Jitter und Paketverlust wird ein R-Wert berechnet und in einen MOS-Wert umgerechnet. Das erlaubt eine kontinuierliche Qualitätsüberwachung jeder laufenden Verbindung.
Richtwerte
- 4,0 bis 5,0: sehr gute Qualität (toll quality) — etwa eine G.711-Verbindung im ungestörten Netz.
- 3,5 bis 4,0: gute, noch akzeptable Qualität; Störungen werden gelegentlich bemerkbar.
- Unter 3,5: für die meisten Nutzer spürbar schlecht — Rauschen, Abbrüche oder abgehackte Sprache.
Als Faustregel gilt: Je höher das One-Way-Delay, desto niedriger fällt der MOS-Wert aus, weil die Gesprächspartner anfangen, sich gegenseitig zu überlappen.
MOS-Wert und andere Metriken
Der MOS-Wert ist die nutzerzentrierte Größe: Während Latenz, Jitter und Paketverlust einzelne Netzwerkphänomene beschreiben, drückt der MOS-Wert deren gemeinsame Wirkung auf die Sprachqualität aus. Bei VoIP-Anbietern gilt ein MOS von mindestens 4,0 als gute Qualität; Werte darunter lösen in der Regel Überwachungsalarme aus.
Verwandte Grundlagen: VoIP, R-Factor, One-Way-Delay, Jitter, Paketverlust, Quality of Service.