Der R-Factor (auch Transmission Rating Factor oder R-Wert) ist eine Kennzahl für die Übertragungsqualität von Sprachverbindungen auf einer Skala von 0 bis 100 — je höher, desto besser. Er ist das Ergebnis des E-Models, das die ITU-T in der Empfehlung G.107 standardisiert hat.
So arbeitet das E-Model
Das E-Model rechnet aus messbaren Parametern der Verbindung einen einzigen R-Wert aus. Einflüsse sind unter anderem:
- die Codec-Qualität (Kompression und dabei entstehende Verzerrung),
- das One-Way-Delay (Laufzeit und Echo),
- der Jitter und der Paketverlust im Netz,
- Hintergrundgeräusche und weitere Störfaktoren.
Jeder Störfaktor senkt den R-Wert von einem theoretischen Maximum (R = 100 für eine ideale Verbindung). Weil das E-Model nur Netzwerk-Statistiken braucht und keine Hörer, lässt es sich live auf jeder laufenden Verbindung anwenden — etwa mit den Statistiken, die RTCP bei RTP-Strömen liefert.
Qualitätsklassen nach G.109
- R ≥ 90: beste Qualität (toll quality) — praktisch alle Nutzer zufrieden.
- R 80–89: hohe Qualität — die meisten Nutzer zufrieden.
- R 70–79: mittlere Qualität — ein Teil der Nutzer unzufrieden.
- R 60–69: niedrige Qualität — viele Nutzer unzufrieden, für den Produktivbetrieb nicht empfohlen.
- R unter 60: schlechte Qualität — fast alle Nutzer unzufrieden.
Umrechnung in den MOS-Wert
Der R-Factor lässt sich mathematisch in den MOS-Wert umrechnen. Die Abbildung ist nicht linear: Im mittleren Bereich (R um 70–80) hat eine Änderung um wenige Punkte einen größeren Effekt auf den MOS als im oberen Bereich. Ein R-Wert von 94 entspricht etwa einem MOS von 4,4; für VoIP-Verbindungen wird meist ein R ≥ 80 angestrebt, was einem MOS von etwa 4,0 entspricht.
R-Factor in der Praxis
Beim VoIP-Monitoring ist der R-Factor die zentrale Berechnungsgrundlage: Aus den Messwerten für Latenz, Jitter und Paketverlust wird kontinuierlich der R-Wert bestimmt und als MOS ausgegeben. So erkennen Provider Qualitätsprobleme, bevor sie für den Nutzer hörbar werden, und können Quality of Service gezielt nachsteuern.
Verwandte Grundlagen: VoIP, MOS-Wert, One-Way-Delay, Paketverlust, Latenz, Round-Trip-Time.