IPv4 und IPv6 sind die beiden Versionen des Internet Protocol (IP) — sie vergeben die Adressen, unter denen Geräte im Netzwerk erreichbar sind. IPv4 ist seit Jahrzehnten der Standard, stößt aber an seine Grenzen; IPv6 löst das Adressproblem und bringt Vereinfachungen mit.

IPv4: 32 Bit, etwa 4,3 Milliarden Adressen

Beispiel: 192.168.1.20          → vier Blöcke, je 0–255 (8 Bit)
Privatbereiche: 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12, 192.168.0.0/16

Die 32-Bit-Adresse liefert theoretisch rund 4,3 Milliarden Kombinationen — zu wenig für eine Welt voller Smartphones, Server und IoT-Geräte. Deshalb greifen private Netze auf die reservierten Bereiche zurück und teilen sich eine öffentliche Adresse per NAT.

IPv6: 128 Bit, praktisch unerschöpflich

Beispiel: 2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334
Kurzform: 2001:db8:85a3::8a2e:370:7334   (führende Nullen weglassen, :: für eine Nullgruppe)

IPv6-Adressen sind 128 Bit lang — die Zahl der möglichen Adressen reicht für jedes denkbare Gerät. Typische Merkmale:

  • Hexadezimale Schreibweise mit Doppelpunkten statt dezimaler Punkte
  • Kein NAT nötig: Jedes Gerät kann eine echte öffentliche Adresse erhalten
  • Automatische Konfiguration: SLAAC (Stateless Address Autoconfiguration) ergänzt DHCP bzw. DHCPv6
  • Eingebaute Sicherheit: IPsec-Unterstützung ist Teil des Standards

Dual-Stack: Beides parallel

In der Praxis laufen die meisten Systeme im Dual-Stack-Betrieb: Sie haben eine IPv4- und eine IPv6-Adresse. Die Namensauflösung liefert beide Varianten — A-Records für IPv4, AAAA-Records für IPv6 (siehe DNS). Welche Adresse genutzt wird, entscheidet das Betriebssystem, meist mit Bevorzugung von IPv6.

Praxis-Tipps

  • Testen: ping 1.1.1.1 (IPv4) bzw. ping -6 2001:4860:4860::8888 (IPv6), ip addr zeigt beide Adressen unter Linux.
  • Adressaufbau: IPv6 unterscheidet Netz-Präfix und Interface-ID — das Aufteilen von Netzen erklärt der Artikel Subnetz und CIDR.
  • Fehlersuche: „Kein IPv6, obwohl der Provider es anbietet" liegt oft am Router (IPv6 dort aktivieren) oder an fehlenden AAAA-Records beim eigenen DNS-Host.

Verwandte Grundlagen: DNS, NAT, Subnetz und CIDR.