Semantisches Web ist die Vision, das World Wide Web so zu erweitern, dass nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen die Bedeutung von Informationen verstehen und verknüpfen können. Der Begriff geht auf Tim Berners-Lee, James Hendler und Ora Lassila zurück, die ihn im Mai 2001 in einem vielbeachteten Artikel im Scientific American prägten.
Die Idee
Heutige Webseiten sind für Menschen lesbar, für Computer aber weitgehend bedeutungslos — ein Programm erkennt zwar Überschriften und Links, weiß aber nicht, was sie bedeuten. Das Semantische Web ergänzt die Dokumente um maschinenlesbare Beschreibungen: Jede Aussage wird so kodiert, dass ein Computer sie interpretieren, mit anderen Aussagen kombinieren und daraus neues Wissen ableiten kann.
Technische Grundpfeiler
Drei W3C-Standards bilden das Fundament:
- RDF: das Datenmodell, in dem Aussagen als Tripel aus Subjekt, Prädikat und Objekt abgelegt werden
- Ontologien (OWL): formale Vokabulare, die Begriffe und ihre Beziehungen definieren
- SPARQL: die Abfragesprache, mit der sich RDF-Daten durchsuchen lassen
Linked Data und Praxis
Die praktische Umsetzung des Semantischen Webs nennt sich Linked Data: Daten werden unter eindeutigen URLs veröffentlicht und über Verweise zu einem weltweiten Datennetz verknüpft. Bekannte Beispiele sind Wikidata, DBpedia oder der Datenbestand von Regierungen und Bibliotheken. Im Alltag begegnet man der Technik in Wissensgraphen großer Suchmaschinen und bei der semantischen Suche.
Verwandte Grundlagen: Retrieval-Augmented Generation, Graphdatenbank.