man (von „manual") zeigt die Handbuchseiten (Manual Pages) von Linux- und Unix-Befehlen an. Es ist die wichtigste eingebaute Dokumentation im Terminal: Fast jeder Befehl, jede Systemfunktion und jedes Dateiformat hat eine eigene man-Seite mit Aufruf, Optionen und Beispielen.
Erste Schritte
man ls
man crontab
Das öffnet die Handbuchseite des jeweiligen Befehls. Zum Blättern gelten dieselben Tasten wie im Pager less (Leertaste: Seite weiter, q: beenden, /Muster: suchen), denn man verwendet intern meist less als Anzeige.
Aufbau einer man-Seite
Typische Abschnitte einer Handbuchseite:
- NAME: Name und Kurzbeschreibung
- SYNOPSIS: Aufrufsyntax
- DESCRIPTION: ausführliche Beschreibung
- OPTIONS: alle Optionen im Detail
- EXAMPLES: Beispiele
- SEE ALSO: verwandte Seiten
Sektionen
man 5 crontab # Dateiformat crontab (nicht der Befehl)
man -f ls # Kurzbeschreibung (whatis)
man -k backup # alle Seiten durchsuchen, die "backup" enthalten (apropos)
Die man-Seiten sind in nummerierte Sektionen aufgeteilt:
- 1: Benutzerbefehle (
ls,cp) - 2: Systemaufrufe (Kernel-Funktionen)
- 3: Bibliotheksfunktionen (z.B. C-Standardbibliothek)
- 5: Dateiformate (
/etc/passwd,crontab) - 7: Verschiedenes (Konventionen, Protokolle)
- 8: Systemadministration (
mount,useradd)
Gibt es einen Befehl und ein Dateiformat mit demselben Namen, wählt die Zahl vor dem Namen die gewünschte Sektion.
Suchen
man -k webserver # findet passende Seiten
apropos firewall # gleiches Kommando wie man -k
man -w ssh # zeigt nur den Pfad zur Seite (z.B. /usr/share/man/man1/ssh.1.gz)
man -k (auch apropos) durchsucht die Kurzbeschreibungen aller installierten Handbuchseiten — ideal, wenn man den genauen Befehlsnamen nicht kennt.
Wichtig zu wissen
- Schnelle Kurzhilfe liefert meist auch
--help, z.B.ls --help; man ist aber ausführlicher. - Beispiele für typische Befehle: mount, chmod/chown, find haben detaillierte Handbuchseiten.
- Wo die Handbuchseiten auf der Platte liegen, zeigt
man -w— ein typischer Pfad ist/usr/share/man. - Zum Nachschlagen in Dateien ist grep der passende Partner:
man ls | grep -i sort.
Verwandte Grundlagen: less (Pager hinter man), more (klassischer Pager), Bash und die Shell.
less ist ein Pager (Seitenweiser): Er zeigt Textdateien und Ausgaben seitenweise im Terminal an und erlaubt, darin vor- und zurückzublättern und zu suchen. Anders als sein Vorgänger more kann less auch rückwärts navigieren und öffnet auch sehr große Dateien schnell, weil es nicht den gesamten Inhalt auf einmal liest.
Grundlagen
less /etc/passwd
Das öffnet die Datei /etc/passwd im Pager. Einmal geöffnet, steuert man mit der Tastatur:
- Leertaste oder Bild ab: eine Seite vor
- b oder Bild auf: eine Seite zurück
- Pfeiltasten / Enter: zeilenweise bewegen
- g: zum Anfang, G: zum Ende der Datei
- q: less beenden
Suchen im Pager
less /var/log/syslog
/fehler
Ein / gefolgt vom Suchbegriff springt vorwärts zum nächsten Treffer, ? sucht rückwärts. Mit n springt man zum nächsten, mit N zum vorherigen Treffer. Mit -i (oder -I) wird die Suche unabhängig von Groß-/Kleinschreibung.
Nützliche Optionen
less -N /etc/services # Zeilennummern anzeigen
less -S /var/log/syslog # lange Zeilen NICHT umbrechen (horizontal scrollen)
less +25 /etc/passwd # direkt bei Zeile 25 starten
-N: zeigt links Zeilennummern an-S: schaltet den Zeilenumbruch ab; lange Zeilen scrollt man mit den Pfeiltasten horizontal+/Muster(z.B.less +/root /etc/passwd): startet direkt am ersten Treffer des Musters
Ausgaben durchblättern (Pipe)
ls -la | less
grep -r "TODO" src | less
Der häufigste Einsatz von less ist das Stauen von Ausgaben anderer Kommandos. Wer lange Ausgaben von ls, grep oder find hat, leitet sie einfach in less um.
Wichtig zu wissen
- Wer man aufruft, nutzt intern meistens less als Pager — die Tasten sind dieselben.
- Die Umgebungsvariable
PAGERbestimmt auf vielen Systemen, welcher Pager verwendet wird (export PAGER=less). - less kann mehrere Dateien öffnen:
less datei1 datei2und wechselt mit:n(nächste) und:p(vorherige).
Verwandte Grundlagen: cat (Datei komplett ausgeben), head und tail (Anfang/Ende zeigen), wc (zählen) und die Shell als Umgebung.
more ist der klassische Pager der Unix-Welt: Er zeigt eine Datei oder eine Ausgabe seitenweise an, wenn sie länger als der Bildschirm ist. more stammt aus den frühen Unix-Tagen und ist der direkte Vorgänger von less, das die meisten Funktionen übernahm und erweiterte.
Grundlagen
more /etc/services
Die Datei wird seitenweise angezeigt. Bedienung:
- Leertaste: nächste Seite
- Enter: nächste Zeile
- b: eine Seite zurück (je nach Version verfügbar)
- /Muster: vorwärts suchen
- q: beenden
- h: Hilfe anzeigen
Nützliche Optionen
more -d /etc/passwd # Hinweise am unteren Rand
more -c /etc/passwd # Seite neu zeichnen statt scrollen
more +15 /etc/services # ab Zeile 15 starten
-d: zeigt Hilfetexte an (z.B. „Press h for instructions")-c: zeichnet jede Seite neu, statt Zeilen nach oben zu schieben+N: beginnt direkt bei Zeile N
Ausgaben seitenweise zeigen
ps aux | more
ls -la | more
Wie less lässt sich more mit einer Pipe an Ausgaben von ls, grep oder ps hängen, damit sie nicht über den Bildschirm laufen.
more oder less?
more kann nur begrenzt rückwärts blättern und lädt große Dateien oft vollständig. less ist der funktionsreichere Nachfolger (volles Vor-/Zurückblättern, Suche in beide Richtungen) und in den meisten modernen Distributionen der Standard-Pager. more existiert aber weiterhin auf praktisch jedem Unix- und Linux-System und ist in minimalen Umgebungen oft die einzige Option.
Verwandte Grundlagen: cat, head und tail, wc und die Shell.
cat (concatenate) zeigt Dateien direkt im Terminal an und kann mehrere Dateien zu einer zusammenfügen. Der Name klingt unscheinbar, aber cat ist ein vielseitiger Alltagshelfer der Shell.
Die wichtigsten Anwendungen
cat datei.txt # Datei komplett anzeigen
cat -n datei.txt # mit Zeilennummern anzeigen
cat -A datei.txt # versteckte Zeichen sichtbar machen
cat a.txt b.txt # zwei Dateien nacheinander anzeigen
cat a.txt b.txt > c.txt # Dateien zu einer zusammenfügen
cat > notiz.txt # Text direkt ins Terminal eingeben (EOF beendet)
cat <<EOF # mehrzeilige Eingabe (Heredoc)
Hallo Welt
EOF
Typische Einsatzfälle
- Kleine Konfigurationsdateien schnell prüfen:
cat /etc/hostname. - Dateien für die Weiterverarbeitung öffnen:
cat log.txt | grep Fehler— hier ist cat oft überflüssig, weil grep selbst Dateien lesen kann, aber in Pipelines ist es anschaulich. - Mehrere Log-Ausschnitte zu einer Datei zusammenführen, etwa
cat teil1.log teil2.log > gesamt.log.
Praxis-Tipps
- Für große Dateien ist cat ungeeignet — nutze head und tail, um nur den Anfang oder das Ende zu sehen, oder
lesszum Blättern. - Zeilenzahlen mit
cat -nhelfen beim Diskutieren von Konfigurationen. - Mit
cat -Asiehst du unsichtbare Zeichen wie Tabs (^I) oder Zeilenenden ($) — nützlich bei seltsamen Formatierungsfehlern. - Zum Zählen von Zeilen reicht wc:
wc -l datei.txt.
Verwandte Grundlagen: Bash-Befehle, ls-Befehle, sort, uniq und cut, grep-Befehle, Shell.
ls (list) ist einer der grundlegendsten Befehle der Linux-Shell. Er listet Dateien und Verzeichnisse auf und ist damit der erste Schritt, um sich in einem Dateisystem zu orientieren.
Die wichtigsten Optionen
ls # Dateien im aktuellen Verzeichnis auflisten
ls -l # lange Liste: Rechte, Besitzer, Größe, Datum
ls -a # auch versteckte Dateien anzeigen (Punkt-Dateien)
ls -la # Kombination: alle Dateien mit Details
ls -lh # Größen lesbar anzeigen (KB, MB, GB)
ls -lt # nach Änderungszeit sortieren (neueste zuerst)
ls -R # rekursiv: Unterverzeichnisse mitauflisten
ls -d */ # nur Verzeichnisse anzeigen
Die lange Liste lesen
Bei ls -l zeigt die erste Spalte die Zugriffsrechte, zum Beispiel -rw-r--r--. Das erste Zeichen ist der Dateityp: - für eine normale Datei, d für ein Verzeichnis, l für einen symbolischen Link. Danach folgen Besitzer, Gruppe, Größe in Bytes, Änderungsdatum und Name.
Praxis-Tipps
- Mit
ls -lerkennst du sofort, welche Dateien ausführbar sind (-rwxr-xr-x) — wichtig, bevor du ein Skript startest. - Kombiniere ls mit anderen Befehlen, etwa
ls -l | grep ".txt", um gezielt nach Dateitypen zu filtern. - Für die rekursive Suche nach Dateien ist find oft besser geeignet als
ls -R, weil find viel mehr Filter und Aktionen kann.
Verwandte Grundlagen: Bash-Befehle, cat-Befehle, chmod, chown und ln, head und tail, grep-Befehle, Partition, Dateisysteme erklärt.