6rd (IPv6 Rapid Deployment, RFC 5969) ist ein Provider-Mechanismus, um Kunden automatisch IPv6 über die vorhandene IPv4-Infrastruktur zu bringen — eine von Internetanbietern kontrollierte Variante von 6to4. Entwickelt vom französischen Provider Free (RFC 5569, 2007) und 2010 als RFC 5969 standardisiert, half 6rd Betreibern, IPv6 schnell auszurollen, bevor native IPv6-Anschlüsse überall verfügbar waren.

So funktioniert 6rd

Der Provider vergibt über DHCPv4 einen 6rd-Präfix plus die Adresse seines Border Relays (BR) an den Kundenrouter (Customer Edge, CE). Der Kunde erhält damit automatisch ein eigenes IPv6-Präfix: Ein Teil seiner IPv4-Adresse wird in das 6rd-Präfix eingebettet, sodass jedes CE ohne weitere Konfiguration seinen Bereich ableitet. Der CE kapselt IPv6-Pakete in IPv4 (Protokoll 41) und schickt sie zum BR, der sie ins native IPv6-Internet ausleitet.

  • Automatisch: Kein Tunnel-Broker, keine manuelle Konfiguration — der Kunde bekommt IPv6, sobald sein Router 6rd kann.
  • Stateless: Der BR führt keine Tunnel-Zustände; die Adressbildung ist deterministisch aus der IPv4-Adresse.
  • Provider-kontrolliert: Anders als bei 6to4 (öffentliche Anycast-Relays) betreibt der ISP die BRs selbst — Route und Qualität bleiben in seiner Hand.

Praxis

6rd war vor allem in den späten 2000ern bis Mitte der 2010er verbreitet (Free in Frankreich, Comcast in den USA). Für den Kunden fühlt sich 6rd wie natives IPv6 an; Grenzen sind der zusätzliche Kapselungs-Overhead und die Abhängigkeit vom BR. Mit dem Ausbau nativer IPv6-Anschlüsse und Dual-Stack ist 6rd heute weitgehend abgelöst, taucht aber in Provider-Routern und CPE-Firmware weiterhin als Option auf.

Verwandte Grundlagen: 6to4, 6in4, ISATAP, SIIT, IP-Tunnel, IPv4 vs. IPv6.