6to4 ist ein Übergangsmechanismus (Transition Mechanism), der IPv6-Pakete ohne manuell konfigurierte Tunnel über vorhandene IPv4-Netze transportiert. Die Grundlage legte RFC 3056 (2001): Ein 6to4-Router bildet aus seiner öffentlichen IPv4-Adresse automatisch ein eigenes IPv6-Präfix und kapselt die IPv6-Pakete in normale IPv4-Pakete mit Protokollnummer 41. Dadurch entsteht ein ganzes 6to4-Netz, dessen Adressen unter dem reservierten Präfix 2002::/16 liegen — die mittleren 32 Bit des Präfixes enthalten die IPv4-Adresse des jeweiligen Routers.
Automatische Adressbildung
Ein Rechner mit der öffentlichen IPv4-Adresse 192.0.2.1 erhält so das 6to4-Präfix 2002:c000:0201::/48. Für den Zugang zum regulären IPv6-Internet sind spezielle 6to4-Relays nötig: Sie hängen das 6to4-Netz an das echte IPv6-Backbone an und wurden früher über eine weltweite Anycast-Adresse (192.88.99.1) erreicht. Der Vorteil gegenüber IP-in-IP- oder GRE-Tunneln: Es muss kein einziger Tunnel manuell eingerichtet werden — jeder teilnehmende Router findet Relays automatisch.
Probleme und Ablösung
In der Praxis erwies sich 6to4 als unzuverlässig: Die unkontrollierten Anycast-Relays führten zu wechselnden, asymmetrischen Routen und zeitweiligen Ausfällen, und hinter NAT funktionierte der Mechanismus nur eingeschränkt. Weil sich die Sicherheits- und Betriebsprobleme nicht beheben ließen, stufte die IETF den Anycast-Relay-Einsatz 2015 mit RFC 7526 auf „Historic" herab; moderne Netze setzen stattdessen auf Dual-Stack, konfigurierte Tunnel wie 6in4, auf 6rd oder auf NAT64-Lösungen.