SIIT (Stateless IP/ICMP Translation, RFC 7915) übersetzt IPv6- und IPv4-Pakete ohne Zustandstabelle — die stateless Alternative zu NAT64. Während NAT64 vielen IPv6-Hosts eine von wenigen IPv4-Adressen aus einem Pool zuteilt, bildet SIIT Adressen 1:1 ab: Einer IPv6-Adresse steht genau eine IPv4-Adresse gegenüber. Dafür braucht SIIT keine Sitzungsverwaltung — jedes Paket ist unabhängig übersetzbar.
Wie SIIT funktioniert
Der Übersetzer sitzt an der Grenze zwischen IPv4- und IPv6-Netz und wandelt die IP- und ICMP-Header nach dem Algorithmus aus RFC 7915 um (das Verfahren löst RFC 6145 ab). Für die Adressbildung gibt es zwei Verfahren:
- RFC-6052-Einbettung: Die IPv4-Adresse wird in eine IPv6-Adresse eingebettet — etwa per Well-Known Prefix
64:ff9b::/96(siehe NAT64). - Explizite Zuordnung (EAM, RFC 7757): Eine Tabelle mit Explicit Address Mappings ordnet einzelne IPv4-Adressen festen IPv6-Adressen zu — der Regelfall für SIIT, weil nur so beide Richtungen mit 1:1-Adressen funktionieren.
Weil kein Zustand geführt wird, skaliert SIIT gut und ist einfach zu betreiben — es gibt aber keine Adressersparnis wie bei NAT64. Wo viele IPv6-Kunden wenige IPv4-Adressen teilen sollen, ist stateful NAT64 die richtige Wahl; SIIT eignet sich für überschaubare 1:1-Szenarien.
Rolle in 464XLAT
SIIT ist der Baustein des CLAT in 464XLAT: Das Endgerät übersetzt IPv4-lokal per stateless SIIT 1:1 in IPv6, erst der Provider-Gateway (PLAT) nutzt stateful NAT64. Implementierungen finden sich in Jool (Linux, SIIT-Modus), Tayga und diversen Router-Betriebssystemen.
Verwandte Grundlagen: NAT64, 464XLAT, DNS64, ISATAP, 6rd, IPv4 vs. IPv6, IP-Tunnel.