AV1 (AOMedia Video 1) ist ein offener und lizenzfreier Video-Codec, den die Alliance for Open Media (AOM) entwickelt hat. Er wurde 2018 veröffentlicht und ist der Nachfolger von VP9 — mit dem Ziel, bei gleicher Bildqualität deutlich weniger Bandbreite zu verbrauchen als HEVC (H.265) und H.264. AV1 ist die Antwort der Internet-Wirtschaft auf die hohen Lizenzgebühren von HEVC.

Wer steckt dahinter?

Die Alliance for Open Media wurde 2015 von Google, Mozilla, Cisco, Amazon, Netflix, Intel, AMD und ARM gegründet; später kamen Microsoft, Apple und viele weitere hinzu. AV1 vereint Techniken aus Googles VP9, dem Mozilla-Projekt Daala und Ciscos Thor. Weil keine Patentgebühren anfallen, kann jeder Browser, jedes Gerät und jede Plattform den Codec nutzen.

Was kann AV1?

  • Effizienz: AV1 erreicht je nach Encoder rund 30 Prozent weniger Bitrate als VP9 und etwa 20 bis 30 Prozent weniger als HEVC bei vergleichbarer Qualität — ideal für 4K- und 8K-Streaming.
  • Verbreitung: Netflix, YouTube, Facebook und Vimeo liefern große Teile ihres Videoverkehrs als AV1 aus; auch Videokonferenzen und WebRTC setzen zunehmend darauf.
  • Hardware: Aktuelle Grafikkarten, Smartphones und Fernseher haben eigene AV1-Decoder; manche auch Encoder. Ältere Geräte dekodieren AV1 oft nur software-seitig (langsamer, höherer Stromverbrauch).
  • AVIF: Auf AV1 basiert AVIF, das WebP und JPEG bei gleicher Qualität deutlich unterbietet.

Grenzen

Das Kodieren ist bis heute rechenintensiver als bei H.264 oder HEVC — wer Videos selbst verschlüsselt, braucht Geduld oder Hardware-Encoder. Die AOMedia arbeitet bereits am Nachfolger AV2, der ab 2026 noch bessere Kompression bei gleicher Lizenzfreiheit verspricht. Für die Wiedergabe im Browser ist AV1 inzwischen Standard: Chrome, Firefox, Edge und Safari unterstützen es.

Verwandte Grundlagen: H.264, HEVC (H.265), VP9, Codec, Verlustbehaftete Kompression.