Fragment-Free-Switching (auch Runtless-Switching) ist ein Kompromiss zwischen Cut-Through- und Store-and-Forward-Switching. Der Switch wartet die ersten 64 Bytes eines Ethernet-Frames ab, bevor er ihn weiterleitet — genau genug, um Kollisionsfragmente zu erkennen, aber schneller als der komplette Frame-Empfang.
Warum genau 64 Bytes?
Die Mindestgröße eines gültigen Ethernet-Frames beträgt 64 Bytes. Frames, die durch eine Kollision beschädigt wurden, sind in der Regel kürzer — sie werden als Runts oder Kollisionsfragmente bezeichnet. Die ersten 64 Bytes genügen, um die Quell- und Ziel-MAC-Adresse zu lesen und zugleich festzustellen, ob der Frame überhaupt die Mindestlänge erreicht. Ist er kürzer, wird er sofort verworfen.
Eigenschaften
- Mittlere Latenz: Schneller als Store-and-Forward, weil nur 64 statt bis zu 1518 Bytes abgewartet werden.
- Teilweise Fehlererkennung: Kollisionsfragmente werden aussortiert, Fehler im hinteren Frame-Teil aber nicht erkannt — ein gewisses Risiko, beschädigte Frames weiterzuleiten, bleibt.
- Historische Bedeutung: Der Modus stammt aus der Zeit der Hub-basierten Halbduplex-Netze, in denen Kollisionen häufig waren. In modernen Vollduplex-Netzen ist er weitgehend durch Cut-Through abgelöst.
Fragment-Free wird daher heute meist nur noch als Sonderfall des Cut-Through-Switching behandelt und ist in aktuellen Switch-Generationen selten konfiguriert. Es gilt als Vorläufer der modernen, oft standardmäßig aktiven Cut-Through-Verfahren.
Verwandte Grundlagen: Switch, Kollisionsdomäne, Ethernet.