MP3 (offiziell MPEG-1 Audio Layer III) ist ein verlustbehaftetes Audiokompressionsverfahren, das Anfang der 1990er-Jahre am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelt und 1993 als ISO/IEC-11172-3-Standard verabschiedet wurde. Es war der erste Audiocodec, der Musik in CD-ähnlicher Qualität auf wenige Megabyte schrumpfte und damit den Siegeszug digitaler Musik auslöste.
Wie funktioniert MP3?
MP3 nutzt die psychoakustische Maskierung: Das menschliche Ohr nimmt leise Töne neben lauten nicht wahr und kann Frequenzen über etwa 16 kHz nur noch eingeschränkt hören. Der Encoder analysiert das Signal in kurzen Fenstern und verwirft genau diese für den Hörer kaum wahrnehmbaren Anteile – ähnlich wie es auch AAC tut. Übrig bleibt eine Datenrate, die deutlich unter der unkomprimierten CD liegt.
Bitraten und Qualität
- 128 kbit/s: Klassische MP3-Bitrate, für Sprache und Hintergrundmusik akzeptabel
- 192–256 kbit/s: Für die meisten Hörer kaum vom Original unterscheidbar
- 320 kbit/s: Höchste MP3-Stufe, praktisch transparent
MP3 unterstützt feste und variable Bitraten (VBR) sowie bis zu zwei Kanäle (Stereo) mit Abtastraten von 16 bis 48 kHz. Bei gleicher Bitrate liefern die Nachfolger AAC und Opus eine bessere Klangqualität.
Patente und Ende der Lizenzpflicht
Jahrzehntelang verlangten Fraunhofer IIS und Technicolor (vormals Thomson) Lizenzen für MP3-Encoder und -Decoder. Am 23. April 2017 lief das letzte Kernpatent aus; seither ist MP3 frei nutzbar. Für Spiele und Webanwendungen wird heute oft das patentfreie Vorbis im Ogg-Container bevorzugt.
Verwandte Grundlagen: Codec, AAC, Vorbis, Verlustbehaftete Kompression.