NAT64 ist ein Übersetzungsmechanismus (Translation), der es IPv6-only-Hosts erlaubt, IPv4-only-Dienste im Internet zu erreichen — die moderne Alternative zu Tunnel-Verfahren wie 6to4 oder Teredo. Standardisiert in RFC 6146 (2011) zusammen mit dem Adressformat aus RFC 6052.
So funktioniert NAT64
NAT64 ist stateful: Ein NAT64-Gateway an der Grenze zwischen IPv6- und IPv4-Netz führt eine Zustandstabelle und übersetzt Pakete bidirektional. Ausgehende IPv6-Pakete an ein Ziel im IPv4-Internet erhalten eine freie IPv4-Adresse aus einem Adresspool des Gateways; die Antwortpakete werden anhand der Tabelle zurückübersetzt.
Dafür wird die IPv4-Zieladresse in eine IPv6-Adresse eingebettet. Das Standard-Verfahren (RFC 6052) nutzt das Well-Known Prefix 64:ff9b::/96: Aus der IPv4-Adresse 192.0.2.1 wird 64:ff9b::c000:201. Diesen synthetischen Adressen entsprechen die AAAA-Antworten, die DNS64 erzeugt — NAT64 und DNS64 gehören daher zusammen.
Praxis
- Einsatz vor allem bei IPv6-only-Mobilfunknetzen und Carriern, die IPv4-Adressen einsparen.
- Implementierungen: Jool und Tayga (Linux), NAT64 in Cisco/Juniper-Routern.
- Gegenstück: stateless Translation (SIIT) arbeitet ohne Zustand und ohne Adresspool, dafür 1:1.
- Grenze: NAT64 übersetzt Protokoll und Adresse, aber kein „Port-Forwarding" wie beim klassischen IPv4-NAT.
Verwandte Grundlagen: DNS64, 464XLAT, IPv4 vs. IPv6, 6to4, Teredo, NAT.