RTSP (Real Time Streaming Protocol) ist ein Netzwerkprotokoll, mit dem sich Medien-Sitzungen zwischen einem Client und einem Streaming-Server steuern lassen. Es wurde 1998 als RFC 2326 definiert und 2016 mit RFC 7826 in Version 2.0 erneuert. RTSP selbst überträgt keine Medieninhalte — es ist ein reines Steuerprotokoll.
Steuerbefehle wie beim Videorekorder
RTSP bietet Befehle an, die an die Bedienung eines Videorekorders erinnern: DESCRIBE fragt die Stream-Beschreibung ab, SETUP bereitet die Übertragung vor, PLAY startet die Wiedergabe, PAUSE unterbricht sie und TEARDOWN beendet die Sitzung. Dazu kommen Optionen wie OPTIONS und GET_PARAMETER.
Die Medien selbst fließen nicht über RTSP, sondern über RTP (Real-time Transport Protocol) und dessen Kontroll-Pendant RTCP, meist über UDP. Welche Codecs, Ports und Formate verwendet werden, beschreibt eine SDP-Datei (Session Description Protocol), die der Server auf DESCRIBE hin liefert. RTSP läuft standardmäßig auf Port 554.
Einsatzgebiete
- Videoüberwachung: Nahezu alle IP-Kameras und ONVIF-Geräte liefern ihre Bildströme per RTSP aus.
- Streaming-Server wie VLC, Wowza oder MediaMTX bieten RTSP als Aufnahme- und Abspielweg an.
- Wegen der direkten Steuerung und des UDP-Transports erreicht RTSP sehr niedrige Latenz — ideal für Live-Anwendungen.
Im Unterschied zu HLS und MPEG-DASH ist RTSP kein adaptives HTTP-Format: Es braucht einen dedizierten Streaming-Server und wird von Browsern nicht nativ unterstützt. Wer Latenz im Web minimieren will, nutzt heute eher WebRTC.