EVC (Essential Video Coding) ist der Teil 1 des MPEG-5-Standards (ISO/IEC 23094-1, veröffentlicht 2020). EVC wurde von Samsung, Huawei, Qualcomm und Divideon vorangetrieben und verfolgt ein besonderes Ziel: eine pragmatische, effiziente Videocodierung, die je nach Profil ganz ohne oder mit gezielt lizenzierbaren Werkzeugen auskommt.

Zwei Profile, ein Standard

EVC besteht aus zwei Profilen:

  • Baseline Profile: nutzt nur abgelaufene Patente und ist damit lizenzfrei einsetzbar.
  • Main Profile: ergänzt das Baseline-Profil um 21 zusätzliche Codierungswerkzeuge, die einzeln zu- und abgeschaltet werden können und lizenzpflichtig sind.

Diese Bauweise macht EVC besonders attraktiv für Hersteller, die ein vorhersehbares Lizenzmodell wollen — im Gegensatz zu den komplexen Patentpools von HEVC und VVC (H.266).

Leistung und Einordnung

Das Main Profile von EVC erreicht eine Kompression, die deutlich über HEVC hinausgeht und in vielen Tests nahe an VVC herankommt; das Baseline-Profil liegt etwas darunter, bleibt aber lizenzfrei. EVC ist damit der MPEG-Gegenentwurf zu den lizenzfreien AOMedia-Codecs AV1 und AV2.

Verwandte Grundlagen: Codec, VVC (H.266), MPEG-DASH.