VVC (Versatile Video Coding, auch H.266 genannt) ist der Nachfolger von HEVC (H.265). Der Standard wurde von der ITU-T und ISO/IEC entwickelt und 2020 als MPEG-H Teil 3 (ISO/IEC 23090-3) finalisiert. Sein Ziel: bei gleicher subjektiver Qualität nur etwa die Hälfte der Bitrate von HEVC zu benötigen.
Was VVC besonders macht
Der Name „Versatile" (vielseitig) steht für den Anspruch, sehr unterschiedliche Anwendungen mit einem Standard abzudecken: von 4K- und 8K-Auflösung über 360-Grad-Video und HDR bis zu Bildschirm-Inhalten (Screen Content). Gegenüber HEVC bringt VVC deutlich erweiterte Werkzeuge mit:
- Größere und flexiblere Blockstrukturen (bis 128×128 Pixel, Quadtree mit Multi-Type-Baum)
- Bessere Intra-Prädiktion mit mehr Richtungen und Matrix-basierten Intra-Modi (MIP)
- Verbesserte Inter-Prädiktion, unter anderem mit optischem Fluss (BDOF) und Decoder-seitiger Bewegungsableitung (DMVR)
- Neue Transformations- und Entropiecodierung (abhängige Quantisierung, Multiple Transform Selection)
- In-Loop-Filter mit „Luma Mapping with Chroma Scaling" (LMCS)
Praxis und Verbreitung
VVC ist lizenzpflichtig (Patentpool, ähnlich wie HEVC) und konkurriert mit den lizenzfreien Codecs AV1 und AV2. Erste Encoder und Decoder (u. a. VTM, Fraunhofer VVenC/VVdeC, x266) stehen seit 2020/2021 zur Verfügung; in Endgeräten und Streaming-Diensten ist VVC bisher weniger verbreitet als AV1. Den Gegenentwurf der MPEG-Seite für einfachere, teils lizenzfreie Profile bildet EVC (MPEG-5).